Immer wieder stelle ich fest, dass selbst die einfachsten Regeln beim Kitesurfen nahezu unbekannt sind, nicht zuletzt, weil sich die meisten den Sport selbst beibringt. Leider ist diese Unkenntnis zumeist gefährlich - für unbeteiligte Personen wie aber auch für den Spot, denn es drohen immer wieder Kiteverbote! Deswegen hier nochmal die wichtigsten Regeln:
Naturschutz und Nationalparks
Ausgewiesene Naturschutzgebiete und Naturparks sind absolut tabu, in solchen Schutzzonen gilt eigentlich immer ein generelles Fahrverbot. Aber auch sonst sollten Schilfzonen und Tieransammlungen gemieden und in ausreichendem Schutzabstand passiert werden, um jegliche Störung der Tier und Pflanzenwelt zu vermeiden.
Kiteschulung und Kitesurf-Lizenzen
Zahlreiche Interessenverbände und Vereine bemühen sich, die stark wachsende Zahl an Kitesurfern zu organisieren und Regeln für ein gefahrloses Miteinander zu definieren. Der VDWS, der Verband deutsche Windsurfing und Wassersport Schulen, hat die Ausbildung in 7 Level unterteilt, die das Fahrkönnen dokumentieren und bei vielen Kitecentern Voraussetzung für das Leihen von Material sind.
Vorfahrtsregeln
Für Surfer und Kiter untereinander gelten die allgemeinen Vorfahrtsregeln für Segelfahrzeuge, die Vorfahrtsregeln für Kitesurfer sind identisch mit denen der Windsurfer:
- Backbordbug vor Steuerbordbug

Derjenige Surfer, der sein Segel auf der Backbordseite des Boards fährt, hat Vorfahrt und muss den Kurs halten. Als Faustregel kann auch gelten, dass die rechte Hand als Masthand (bei Kitern die rechte Hand vorne an der Bar) Vorfahrt hat. - Lee vor Luv

Bei gleichem Bug kommt die Regel “Lee vor Luv” zur Anwendung, d.h. der Surfer auf der windabgewandten Seite hat Vorfahrt - der Surfer, der sich höher am Wind befindet, weicht aus. - Überholer hält sich frei

Wer einen anderen Surfer überholt, der hält einen Abstand von mindestens einer Mastlänge ein.
Verhaltensregeln
Der wichtigste Punkt, denn diese Regeln werden nur selten kommuniziert, machen aber das miteinander sehr viel angenehmer und verhindern ein Kiteverbot in vielen Fällen. Die Verhaltensregeln sind zwar zumeist unverbindlich, aber deren Einhaltung ist vielerorts so oder in abgewandelter Form bereits Voraussetzung:
- Innerhalb von 50 m zum Strand sollte das Kiten vermieden werden. Zum Starten und Landen werden spezielle Zonen eingerichtet oder haben sich durch die Erfahrung etabliert - fragt vor Ort!
- Am Strand/Einstieg darf nicht gesprungen werden
- Lines werden aufgerollt, wenn nicht geflogen wird
- Safety Leaches sind Pflicht
- kein “Höhelaufen” am Strand mit dem Kite in der Luft
- keine privaten Schulungen
- keine Starthilfe durch fremde Personen - fragt an den Schulen
In Cabarete (Dominikanische Republik) gelten diese Regeln z.B. seit langem und sie haben den Spot deutlich sicherer gemacht!
Sicherheit
Die Sicherheit sollte immer und grundsätzlich oberstes Gebot sein, und zwar nicht nur für einen selbst, sondern auch für alle Unbeteiligten! Selbstüberschätzung führt immer zu einer Gefährdung Anderer. Eine gründliche Materialprüfung und die Einholung der Revier- und Wetter-Bedingungen sollten selbstverständlich sein!


